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Verstörende Farben des Klezmers

Jüdische Klezmer-Musik ist Richtung Weihnachtsfest immer wieder populär, auch wenn die Musik so gar nichts mit dem christlichen Fest zu tun hat. Das Saxophon ist zwar nicht gerade das Instrument, dass ich mit dem Musikstil verbinden würde, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Es überrascht mich vielmehr, wenn bei der Eigenwerbung für ein Konzert die Farbkontraste Schwarz-Gelb verwendet werden. Zufall?

Das waren schon in den 1930er Jahren die Farben des zwanghaft verordneten „Judensterns“, den alle tragen mussten, die von den Nazis als solche rassistisch klassifiziert wurden. Und was sollen auf diesem Plakat eigentlich die Flammen im Hintergrund sein? Brennende Synagogen?

Und wenn wir in die Richtung weiterdenken – erinnert sich jemand an das Nazi-Plakat zu „entarteter Musik“? Darauf ist das Saxophon in der Hand einer Karikatur eines Afro-Amerikaners im schwarzen Anzug zu sehen, der ebenfalls einen „Judenstern“ trägt. Noch so ein Zufall?

Ich könnte noch ergänzen, dass die Hälfte des „Judensterns“ sogar in den Bilddiagonalen dieses Werbeplakates zu erkennen ist. Natürlich schon wieder ein totaler Zufall.

Für diejenigen, die sich vielleicht noch nie damit beschäftigt haben. In der Regel wissen die Klezmer-Gruppen, wie sie sich auf ihren Bildern präsentieren, ohne antisemitische Symboliken zu bemühen.

(Update März 2019: Obwohl – auch nicht immer…“

Touristische Traumanalyse

„Statt träumen selbst erleben“, so bewirbt ein großes Reiseunternehmen seine „abwechslungsreichen Kulturreisen“. Ganz gleich ob Südamerika oder Afrika, die Berge sehen in der Ferne immer schöner aus als daheim. Das zieht besonders zu dieser Jahreszeit, in der hier alles nur grau-in-grau erscheint. Zum Programm gehören auch die Traumpreise, die das Reiseunternehmen von den Interessierten allerdings nicht nur erträumt, sondern real abkassieren möchte. Aber das soll ja nicht mein Problem sein.

Interessanter ist doch, was die Veranstalter unter „Kultur“ verstehen und einem visuell unter die Nase reiben wollen. Das ist Landschaften, Tiere und fremd wirkende Menschen in bunten Klamotten. Die ihre Stoffe sogar noch selber weben – innig. leicht und tänzerisch sind sie da bei der Sache, wenn ich das richtig interpretiere.
Reisebusse und Flugzeuge, klimatisierte Hotels, geteerte Straßen und der Müll, den Touristen hinterlassen, sind anscheinend keine Kultur. Städte auch nur, wenn sie historisch und verfallen sind wie Machu Picchu.

Als Höhepunkte der Reise empfinde ich anhand dieser Bilder jedoch die Nähe zwischen kulturfremden Menschen und wilden Tieren. Man könnte beinahe sagen, sie entsprechen sich. Lachende Frauen mit geöffnetem Mund neben Löwen mit geöffneten Mund. Eine schweigend nachdenklich sitzende Frauengruppe neben einem Affen, der ebenso fragend in die Welt schaut. Die Unterschiede verwischen.

Und ich frage mich – mit Freud im Hinterkopf – auf welche Traumsymboliken hier zurückgegriffen werden soll. Die Wildheit der fremden Kulturmenschen oder die Fremdheit der wilden Tiere? Was steht hier für was?
„Atemberaubend“ nennt der Reiseveranstalter sein Angebot im Verlauf der Anzeige auch noch. Es verschlägt mir bei den Bildern schon den Atem.

Ein El Dorado für „Gastindianer“?

Jedes Jahr aufs Neue staune ich über diese Werbung. Ein El Dorado in Brandenburg? Und was bitte habe ich unter „Gastindianern aus aller Welt“ zu verstehen? Dürfen die bei uns nur zu Gast sein? Oder können die in allen Ländern außerhalb Amerikas aufgrund ihrer ethnischen Abstammung immer nur Gäste bleiben? Oder wollen die Veranstalter damit etwa ausdrücken, dass sie neben „Verkleideten“ auch „echte Indianer“ vorweisen können?

Dieses Rollenspiel-Western-Spektakel im Stile einer kolonialen Völkerschau soll anscheinend als Familienunterhaltung gedacht sein. Es klärt einen dabei über die Verbindungen zwischen „Indianer Pow Wow“ und „Hula“ auf. Aber was ist an einer artistischen Nummer, die man in jedem anderen Varieté ebenso sehen kann, so „indianisch“ – abgesehen von der Kleidung und der Hautfarbe des Artisten? Geht es also doch nicht eher um pure Anwesenheit eines „Gastindianers“ und gar nicht um das, was er auf der Bühne macht?

Wobei ich an Stelle des Artisten Angst hätte, dass mir einer der Reifen am Halse stecken bleibt. Schließlich wurde die AfD in der Uckermark im September 2017 bei der Bundestagswahl zur zweitstärksten Kraft. Die Politiker dieser Partei haben bereits hierzulande die Absicht, sich „ihr Land zurückzuholen“. Mit dem Begriff „Landnahme“ und deren Folgen sollten sich Native Americans eigentlich mehr als gut auskennen.

Da würde ich mir als „Gastindianer“ noch mal überlegen, ob ich mich 2018 wieder nach Templin auf den Weg mache. Oder vielleicht sollten sich die vernünftigen Besucherinnen und Besucher überlegen, ob sie nicht besser ihre Cowboy-Hüte absetzen, und sich klarmachen, dass der Wilde Westen nicht nur eine glorreiche Film-Fantasiewelt ist. Für bestimmte Volksgruppen war sie eine bittere Realität und endete in einer beinahe vollkommenen Zerstörung ihrer Kulturen. Wäre es nicht besser, die Produzenten einer solchen Veranstaltung in der Uckermark versanden zu lassen?

Black Power für White Energy?

Ist das nicht genial, was mich da letztes Jahr am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin an der Werbewand begrüßte? Das Berliner Energieunternehmen macht Werbung mit einer Berliner Berühmtheit. Ivy Quainoo, in Berlin geborene Afro-Deutsche und Gewinnerin der ersten Staffel von „Voice of Germany“. Könnte es noch bessere Synergie-Effekte geben, als die Verbindung von Gas mit übersprudelnder Gesangspower?

Leider stimmt hier eine Menge nicht. Denn Ivy wird keinesfalls als Berlinerin gezeigt. Mit Afro-Kitsch Hals- und Armketten und Rasta-Frisur, lachend und singend – kann man überhaupt mehr afrikanische Stereotype in einem Bild integrieren? Dagegen im Hintergrund, umgeben von hochtechnisierten Videoleinwänden, der Weiße Bärliner, der sogar schreiben kann. Da muss es sich um ein besonders intelligentes Tier handeln. Oder sollte ich besser sagen um einen Stellvertreter für die Weißen Berliner?

Einfach wechseln & sparen? Mit mir sicherlich nicht.