Masken als interkulturelle Vermittlung?

Mit Ritterrüstungen zum Spielen, Holzschwertern, Prinzessinnenkostümen und Plastikkronen kann man Kinder eine Weile beschäftigen. Das europäische Mittelalter ist zu einer festen Komponente der kindlichen Vorstellungswelt geworden, genau so wie die erträumte „Indianer“-Umgebung.

Da ist ja der Gedanke gar nicht so schlecht, sich im Zeichen von interkultureller Vermittlung mal nach Alternativen umzusehen, die etwas mehr mit der Realität zu tun haben. Tatsächlich gibt es ja in Afrika und Asien durchaus künstlerische und religiöse Traditionen, die da Anknüpfungspunkte bieten würden. So mögen sich das A.G. Smith und Josie Hazen gedacht haben, als sie Bastelvorlagen für afrikanische und japanische Masken für den Museum-Shop entwickelt haben.

Allerdings offenbart sich schon in dem Klappentext eine Bewertung der verschiedenen Traditionen. Die „authentischen“ japanischen Masken werden mit Hinweis auf die lange Theatergeschichte des Landes hochgelobt:

„Masks have played an important role in Japanese den, theater, and ritual for hundreds of years.“

Die „afrikanischen“ Masken dagegen werden exotisiert und als Traditionen von „Stämmen“ degradiert:

„With this fascinating collection, you can create six exotic African masks based on actual tribal artifacts.“   

Ein weißer Blick, der verschiedene Kulturen hierarchisch anordnet, ist aber nur das eine Problem dieser Bastelidee. Was man nämlich mit Schere, Kleber und Tesafilm sich so lustig zusammenbauen kann, stammt im Falle der sogenannten „afrikanischen“ Masken teilweise aus religiösen Kontexten. Das geben die Autoren sogar in ihren zwei Einleitungssätzen zu jeder Maske zu, wie etwa bei der „Dan Ceremonial Mask“ von der nordwestlichen Elfenbeinküste: „They are famous for their art. Their masks, which often represent ancient ancestors, are known for their classic simplicity and their faithfulness to humans features.“ Die „Bobo Butterfly Masks“ aus Burkina Faso „are used primarily in rain and fertility rites“. 

Das kann man jetzt also alles ganz einfach „cut and make“ übernehmen. Gedanken darum, was die entsprechenden Gesellschaften eigentlich darüber denken, dass ihre religiösen Masken nun aus Pappe und Kleber in westlichen Kinderzimmern herumgeistern, scheint sich keiner zu machen.

Ob sich so afrikanische oder japanische Kulturen im Westen so sensibel vermitteln lassen, wage ich zu bezweifeln. Fördert das nicht wie bei den Rittern vielmehr, fremde Kulturen als Phantasie- und Traumwelten wahrzunehmen?

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