Spaß am afrikanischen Trommeln?

„Afrikanischer Tanz und Trommeln – das ist für mich der Ausdruck von Lebenslust und pulsierender Lebensenergie“, meint die Trommel-Lehrerin Claudia Gärtner. „Frauenpower auf afrikanischen Trommeln“, versprechen die Matambas. Und „Frauenkultur, die verbindet“ mit Hilfe afrikanischer Trommelrhythmen preist Ellen Meyer auf ihrer Website an. Man könnte meinen, das afrikanische Trommeln ist gar kein Genre für einen Mann wie mich. Besonders nicht, wenn ich mir diese Werbeanzeige für einen „Happy Trommel Workshop“ betrachte. Da rückt eine der drei weiblichen Schülerinnen schon in den Fokus, während der schwarze Lehrer nur unscharf und abgeschnitten am rechten Bildrand posiert.

Was ist da nur geschehen? Als Andreas Meyer 1997 seinen grundlegenden Katalog zu „Afrikanische Trommeln – West- und Zentralafrika“ herausgab, verwies er nur am Rande bei einigen wenigen Trommeln darauf, dass diese ausnahmsweise auch von Frauen gespielt werden dürfen.

Es ist das eine, dass die Benutzer des Instruments beim Kulturtransfer von Afrika nach Europa mal so sang- und klanglos das Geschlecht wechseln. Vielleicht sind afrikanische Trommeln das Schlagwerk, das Frauen in diesen Breitengraden ohne Widerspruch spielen dürfen. Wenn sie schon kaum hinter dem Drumset von Bands oder als Paukistinnen im Orchester zu sehen sind. 

Das andere ist, dass all die deutschen Angebote zu Trommel-Workshops von „mitreißenden Trommelrhythmen“, dessen „Klang dem Herzschlag der Mutter gleicht“, oder von „Musik und ihrem rhythmischen Herzschlag“ sprechen. Viele Lehrerinnen und Lehrer verweisen auf ihre „Rhythmusreisen in Mali“ und verweisen deutlich auf ihre afrikanischen Lehrer , damit sie auch die Autorität besitzen, das Publikum „in die Welt Westafrikas eintauchen“ zu lassen. 

Aber ob genau das stattfinden wird, ist sehr zu bezweifeln. Trommeln in Westafrika – mal abgesehen von der Tatsache, dass in Deutschland eigentlich nur ein bestimmter Stil aus Mali angeboten wird – steht immer funktional in Verbindung mit sozialen Ereignissen und findet nie zum Selbstzweck statt, um mal super Spaß an mitreißenden Rhythmen zu haben. Darüber hinaus geht es hier dabei eigentlich nicht um das Spiel von Rhythmen, sondern darum, die Trommeln sprechen zu lassen. Da die meisten westafrikanischen Sprachen Tonsprachen sind, besitzen Trommelschläge immer auch eine sprachliche Bedeutung. Aber vom Lernen westafrikanischer Sprachen ist in keiner der Anzeigen die Rede. 

Wer weiß, was die hochgelobten afrikanischen Lehrer ihre Schülerinnen trommeln lassen? Vielleicht ist der Spaß auf deren Seite noch viel größer? 

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